Acker- und Pflanzenbau

Die Produktionsbedingungen für den Acker- und Pflanzenbau im Land Brandenburg sind herausfordernd. Nicht umsonst spricht man von der „Brandenburger Streusandbüchse“.

 

Mit durchschnittlich 33 Bodenpunkten rangiert Brandenburg am unteren Ende im bundesweiten Vergleich der Bodenqualitäten.

 

Verschärfend zu der schlechten Wasserspeicherfähigkeit der brandenburgischen Böden kommt noch das geringe Niederschlagsniveau hinzu. So fielen im langjährigen Mittel mit durchschnittlich 560 Millimetern Niederschlag 220 Millimeter weniger als im Bundesdurchschnitt.

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In den Fruchtfolgen dominiert Körnergetreide mit knapp 50 Prozent die Anbaufläche. Der Maisanbau hat mit 21 Prozent Flächenanteil, auch zur Gewinnung regenerativer Energie durch die Biogaserzeugung, eine starke Bedeutung. Die Anbauflächen für Ölfrüchte sind rückläufig, die Produktion von Hackfrüchten, insbesondere Kartoffeln, ist mittlerweile fast bedeutungslos. Der Anbau von Körnerleguminosen stagniert bei gut zwei Prozent.

 

Mit einem Anteil von knapp 56 Prozent wird bereits heute über die Hälfte der Ackerflächen in Brandenburg mit der besonders bodenschonenden konservierenden Bodenbearbeitung, also ohne den Einsatz des Pflugs, bewirtschaftet.

 

Aufgrund der natürlichen Standortbedingungen liegt die Bewirtschaftungsintensität im Vergleich zum Bundesdurchschnitt auf einem niedrigen Niveau. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln ist deutlich geringer als im Durchschnitt in Deutschland und an das niedrige Ertragspotenzial angepasst.

Pflanzenschutz

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) im modernen, konventionellen Pflanzenbau ist unter bestehenden Marktbedingungen zur Erzielung quantitativ und qualitativ befriedigender Ernteergebnisse unerlässlich.

 

Bereits jetzt setzen die Brandenburger Betriebe mit durchschnittlich 1,04 Kilogramm Wirkstoff pro Hektar deutlich weniger Pflanzenschutzmittel ein als im bundesdeutschen Mittel mit 2,9 Kilogramm Wirkstoff pro Hektar

 

Die Brandenburger Landwirte sind sich ihrer besonderen Verantwortung bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bewusst und setzen ausschließlich Präparate ein, die durch die Zulassungsbehörden geprüft und genehmigt wurden.

Biodiversität

Die Sicherung von Biodiversität ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Erhalt des ländlichen Raumes in Koexistenz mit einer ökonomisch tragfähigen Landwirtschaft ist ein Garant für die Bewahrung der biodiversen Kulturlandschaft. Die voranschreitende Flächenversiegelung durch Gewerbe- und Wohnbebauung drängt auch im ländlichen Raum landwirtschaftliche Nutzflächen immer stärker zurück.

 

Ein noch stärkerer Beitrag der Brandenburger Landwirtschaft zur Steigerung der Biodiversität ist nur mit der Unterstützung durch die politischen Entscheidungsträger auf Landesebene und Kommunen, der Wissenschaft und einen fairen Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen leistbar. Nur wenn verlässliche Rahmenbedingungen und ein sachbezogenes Miteinander entstehen, werden Erfolge nachhaltig messbar sein.

Grünland

Rund 300.000 Hektar der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Land Brandenburg ist Grünland in unter- schiedlichster Ausprägung. 60 Prozent dieser Grün- landflächen in Brandenburg sind Niedermoore, für deren Nutzung differenzierte Strategien notwendig sind.

Grünland-Expertinnen und -Experten aus Wissenschaft und Praxis sehen in der Entwicklung moderner Nutzungskonzepte für das natürliche Grünland in Brandenburg gute Ansätze, um nachhaltige Bewirt- schaftungssysteme mit aktivem Natur- und Umweltschutz zu verknüpfen.

Grünland ist aber nicht nur ein bedeutender CO2-Speicher, sondern stellt in der Biodiversität der Kulturlandschaft oft eine Brücke zwischen unterschiedlichen Biotoptypen dar. Die Verwertung der Aufwüchse durch eine angepasste tierische Veredelung ist sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Hinsicht das überzeugendste Modell. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Grünlandflächen steht somit in unmittelbarem Zusammenhang mit der Nutzung und Verwertung durch Tierbestände. Dabei stehen die wiederkäuenden Rinder, Schafe und Ziegen im Vor- dergrund.

Wie bereits in den Kapiteln zur Rinderhaltung aus- geführt, wird die Grünlandnutzung in Form der ökologisch wertvollen Weidehaltung erst dann eine ökonomisch attraktive Alternative für Brandenburger Betriebe, wenn faire Erzeugerpreise für die umweltnahe, artgerechte Haltung erzielt werden können oder eine entsprechende wertschätzende staatliche Förderung der Weidetierhaltung vorhanden ist.

Düngung

Im Bereich der Düngung ist aus unserer Sicht eine differenzierte Betrachtung des Status quo auf regionaler Ebene der Länder und Kreise zwingend geboten. Der Blick auf die deutschlandweiten „Roten Gebiete“ zeigt, dass Brandenburg und seine Landwirtschaft kaum Gefährdungspotenzial des Grundwassers durch Nitrat aufweisen. Gesetzliche Maßnahmen, die sich ausschließlich an den Maximalproblemen einzelner Regionen orientieren, dürfen nicht zu Entwicklungsbeschränkungen anderer Regionen führen.

 

Die im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Problembereiche Stickstoff (N) und Phosphor (P) und damit verbundene Regulierungen auf EU- und nationaler Ebene stehen im direkten Zusammenhang mit Gebieten intensiver Nutztierhaltung (GV deutlich über 2,0).

 

Die im Status quo für die landwirtschaftlichen Betriebe in Brandenburg dokumentierten Eckwerte zeigen dagegen überdeutlich: die nachhaltige, umweltgerechte Verwendung organischer und mineralischer Düngemittel ist vorbildlich und übererfüllt bereits heute viele Zielvorgaben des Gesetzgebers und Forderungen von gesellschaftlichen Gruppen.

 

Durch Klimaveränderungen (Temperaturanstiege) und damit einhergehende steigende Verdunstungsraten müssen Dünger noch bedarfsgerechter als bisher ausgebracht werden. Hitzestress und Trockenheit während der Sommermonate fördern Stickstoff-Bilanz-Überschüsse. Der LBV Brandenburg unterstützt daher ausdrücklich technologische Innovationen zur weiteren Erhöhung der Nährstoffeffizienz.

 

Im bundesweiten Vergleich werden in Brandenburg die zulässigen Obergrenzen für Überschüsse im Nährstoffvergleich insbesondere für Phosphor deutlich unterschritten. Mit einem N-Überschuss bei der Flächenbilanz von 44 Kilogramm je Hektar rangiert Brandenburg am unteren Ende der Bundesländer.8 9 

 

Insbesondere die Bindung des Tierbesatzes an die landwirtschaftliche Fläche bedeutet für die Landwirtschaft in Brandenburg, dass eher ein Zuwachs an Tierbeständen angezeigt ist. Die daraus resultierenden Chancen einer Ernährungsoffensive und die Entwicklung nachhaltiger Kreislaufsysteme bieten eine gute Perspektive.

 

Alle Bemühungen um eine umweltgerechte Nährstoffverwertung bedürfen einer regionalen Bewertung. Es darf kein Entsorgungssystem auf nationaler Ebene entstehen, bei dem Standorte mit Gülle-Überschüssen diese in andere Bundesländer verlagern. Das kann im Sinn einer nachhaltigen Boden-, Gewässer- und Klimaschutzstrategie kein Lösungsweg sein.

 

Der neue Brandenburger Weg – Zukunftsperspektiven für die Landwirtschaft 2030 zeigt einen Weg auf, in welchen Schritten im Acker- und Pflanzenbau nachhaltige Veränderungen stattfinden können und welche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.